Manche Menschen sind der Meinung das Thema Ernährung total oberflächlich ist, da Ernährung lediglich dem äußerem Schönheitsideal (s. Diäten) diene und oft nur im Zusammenhang mit Verzicht (von Essen im Allgemeinen, bestimmten Nahrungsmitteln im Speziellen, Kohlenhydraten, Fett, Zucker etc.) im Sinne des Abnehmens genannt wird.

Die Frage nach Ernährung ist allerdings die Frage nach der Liebe: Der Liebe meiner Selbst und der Liebe zu anderen.

Liebe ich mich? Liebe ich Andere?

Die Liebe zu mir selbst wird mich dazu veranlassen meinen Körper so gut wie möglich zu behandeln. Ganzheitlich betrachtet klingt bereits in diesem Punkt die Frage nach der Behandlung anderer mit an: Den das wie ich Andere behandel, wird immer auf mich zurückfallen.

Im Prozess herauszufinden, was gut für den eigenen Körper ist, stellt sich schnell die Frage: Was nährt meinen Körper? Dieser Perspektivwechsel von der häufig gestellten Frage: “Was darf ich denn jetzt nicht mehr, wenn ich stark, gesund, schlau, hübsch, dünn sein möchte?” hin zu der Frage, mit welcher Nahrung ich meinen Körper und meine Seele verwöhnen darf eröffnet unendlich viele neue Möglichkeiten von Nahrungsquellen, die es gilt neu zu erforschen oder wieder zu entdecken.

Das vor allem im Englischen häufig verwendete Wort pflanzenbasierte Ernährung finde ich persönlich viel schöner als das häufig negativ vorbelastete Wort “vegan”, da hier der Fokus auf den Lebensmitteln, die ich essen möchte (wenn ich mich dazu entscheide) liegt:

Ballaststoffe 

Mischköstler (also Menschen, die sowohl Pflanzen, als auch tierische Produkte

und Fleisch essen) nehmen oft deutlich zu wenig Ballaststoffe zu sich. Menschen, die sich ausschließlich von Pflanzen ernähren (in jeder Pflanze sind Ballaststoffe nur in unterschiedlicher Menge) haben dieses Problem in der Regel nie. Ballaststoffe sind extrem wichtig für die Darmgesundheit. Heutige Erkenntnisse zeigen, dass diese bisher deutlich unterschätzt wurde und starke Zusammenhänge mit dem Immunsystem und sogar entscheidende Zusammenhänge mit dem Gehirn. Einfache Magen-Darm-Erkrankungen sind allerdings hier wegen ihrer vielseitigen Nebenwirkungen auch nicht zu vernachlässigen und schränken das Wohlbefinden ebenso ein. Über den Darm werden körpereigene Toxine abgebaut (z.B. Cholesterin). 

Antioxidantien

In vielen Pflanzen stecken Antioxidantien. Vor allem beim rohen Verzehr bleiben diese für den Körper erhalten und entfalten ihre positive Wirkung. Sie schützen vor Arthritis, Krebs (eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland) und degenerativen Krankheiten.

Geringere Kaloriendichte

Die meisten Gemüsesorten haben im Vergleich zu tierischen Produkten eine sehr geringe Kaloriendichte. Eine der häufigsten Todesursachen in zivilisierten Gesellschaften sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgrund von Übergewicht. Je mehr Gemüse in die Ernährung eingebaut wird, desto geringer ist die Kalorienbilanz. Gleichzeitig fühlt man sich häufig nicht so träge und bewegt sich daher unterbewusst mehr. Ein Großteil der Menschen, die sich pflanzenbasiert ernährt, hat einen BMI, der sich im Normbereich befindet. 

Zusatzstoffe, Geschmacksverstärker, Zucker

Versucht man sich pflanzenbasiert zu ernähren, so beginnt man automatisch mehr selber zu kochen oder greift auf Produkte zurück, die von vornherein zumindest ein Bio-Siegel haben. Durch die eigene Herstellung des Essens, weiß man auch, was wirklich im Essen ist. Ich persönlich fühle mich nicht gut, wenn bei den Inhaltsstoffen eines Produktes haufenweise Worte auftauchen, von denen ich nicht weiß was sie bedeuten.

Der Verzicht auf Geschmacksverstärker, welche nachweislich unser Gehirn beeinträchtigen, hilft uns dabei wieder eine gesündere Beziehung zum Essen aufzubauen, bei der wir weniger triebgesteuert alles in uns hineinstopfen, sondern stattdessen wieder lernen auf die Bedürfnisse unseres Körpers zu achten. Viele Menschen können weder Hunger noch Durst auseinanderhalten, noch spüren sie, welche Nährstoffe ihnen gerade fehlen. Je weniger chemische Stoffe, Zucker und Ähnliches im Körper sind, desto stärker wird die eigene Intuition wieder. Erneut intuitiv essen zu können, dauert oft, da Schadstoffe erst abgebaut werden und im Gehirn wieder neue Vernetzungen entstehen müssen, sodass neue Gewohnheiten und eine neue Sensibilität sich wieder etabliert.

Weniger ungesättigte Fettsäuren 

Durch weniger ungesättigte Fettsäuren, die vor allem in tierischen Produkten vorkommen, sinkt das Krebs- und Diabetesrisiko.

All diese Komponenten helfen dabei sich körperlich besser zu fühlen, was sich wiederum auch auf die Psyche auswirkt. Doch abgesehen davon, fühlen wir uns emotional auch besser, wenn wir in Einklang mit unseren eigenen Überzeugungen leben. Geht man wachsam durchs Leben, so wird man früher oder später mit den Auswirkungen des immer größer werdenen Fleischkonsums, sowie der Milchwirtschaft oder auch mit den schlechten Bedingungen in der Massenprouktion von Eiern konfrontiert. Neben den zahlreichen Missständen in der Tierhaltung, werden wir irgendwann in unserem Leben sicherlich auch damit konfrontiert, wie negativ sich die Massentierhaltung auf den Menschen auswirkt. Bei jedem mitfühlenden Menschen wird dieses Wissen eine gewisse psychische Dissonanz erzeugen, welche uns stark belasten kann. Verdrängt man diese Emotionen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man in der Zukunft erneut mit etwas konfrontiert wird und man so negative Emotionen  immer wieder neu in sein Leben einlädt. Verhaltensänderung ist ein effektives Werkzeug, um diese Dissonanz zu verringern. Handelt man im Einklang mit seinen Überzeugungen, so findet man eine tiefere innere Ruhe, einen starken inneren Frieden, aus dem man auch in schwierigen Lebenslagen Kraft schöpfen kann. Ernährt man sich aus Überzeugung heraus länger rein pflanzenbasiert, so wird dies immer mehr zu unserer inneren Haltung – zu einem Teil unserer Persönlichkeit.

Gleichermaßen, sollte uns bewusst sein, dass (wenn man von einer Bedürfnispyramide ausgeht) die eigene Selbstverwirklichung im Ausleben solcher Überzeugungen, an der Spitze einer Kette von Bedürfnissen liegt. Gerade im Blick auf China, die in den letzten Jahren ihren Fleischkonsum extrem gesteigert haben, sollten wir uns hier in Deutschland im Klaren darüber sein, dass unser Wohlstand und die Befriedigung grundlegender Bedürfnisse, wie beispielsweise Hunger, Durst, eine warme Wohnung im Winter oder gewisse hygenische  Standards, uns die unglaubliche Freiheit bringt, überhaupt über diese Dinge nachzudenken. Diesen Vorteil müssen wir uns bewusst machen, damit wir nicht vorschnell über andere Urteilen, welche sich mit solchen Themen nicht beschäftigen und in ihrer Entwicklung nicht gleichermaßen weit sind.

Wollen wir mit diesen Mitmenschen reden und uns mit ihnen auseinandersetzen, so sollte jeder Einzelne von uns dazu beitragen, dass ihre grundlegenden Bedürfnisse erfüllt werden. Wie wirkt sich eine Verhaltensänderung in unserer Ernährung auf die Bedürfnisserfüllung anderer Menschen aus?

Kaufentscheidung ist eine politische Entscheidung

Jede einzelne Kaufentscheidung ist eine politische Entscheidung. Eine Entscheidung für eine bestimmte Firma, die ein bestimmtes Produkt unter bestimmten Bedingungen produziert. Entscheiden wir uns dafür 1 kg Fleisch zu kaufen und zu verzehren, dann ist das eine Entscheidung für 1 kg Lebensmittel insgesamt ca. 7 kg Futter zu verbrauchen. Dies Nahrung, die ein Tier zu sich nimmt, um 1 kg Fleisch “zu produzieren” wird in großen Teilen dort produziert, wo Menschen hungern. Ich finde es pervers mit vorzustellen, dass ein Feldarbeiter in Afrika oder Südamerika Getreide oder Soja ernten muss, dass er selbst nicht essen darf, sich selbst nicht leisten kann und dann zusehen muss, wie dieses Lebensmittel abtransportiert wird, um hier an ein Tier verfüttert zu werden, damit wir ein geiles Steak haben. Die riesigen industriellen Fischkutter fallen wie die Heuschrecken ein, fischen alles ab und für arme einheimische Fischer, die ihre Familien mit dem Fisch versorgen müssen, bleibt nicht genug übrig. Das Ökosystem erholt sich danach nicht sofort, es dauert bis sich der Fischbestand wieder aufgebaut hat, sodass ganze Dörfer, die zuvor in Einklang mit der Natur sich selbst versorgen konnten, plötzlich auf Hilfe von Außen angewiesen sind oder Menschen sterben. An Hunger stirbt ca. alle 3 Sekunden ein Mensch (9 Millionen im Jahr) und ca. jeder 11 Mensch auf der Welt leidet Hunger. Seit 2015 nimmt der Welthunger wieder stark zu. In dem gleichen Zeitraum steigt der Fleischkonsum in Asien stark an, wo Fleisch als Zeichen von Wohlstand wahrgenommen wird. Ähnlich hat es sich auch in Europa und Amerika entwickelt. Doch wenn wir nun mit den Finger nach Asien zeigen und dieses Verhalten verurteilen ohne selbst mit einem besseren Beispiel voranzugehen, so sind es doch nur leere Worte, die aus unseren Mündern kommen.

99 % aller tierischen Produkte kommen aus der Massentierhaltung. Mit der Entscheidung zu diesen Produkten, entscheiden wir uns für unglaubliches Leid. Hühner werden auf engsten Raum zusammen eingepfercht, picken sich gegenseitig die Augen und Federn aus, sodass sie blutig und vernarbt aufeinandersitzen. Sind sie männlich und für die Eierproduktion nicht zu gebrauchen, werden sie entweder als Küken geschreddert oder möglichst schnell angefüttert, damit man sie ihres Fleisches wegen töten kann. An vielen Standorten werden den Tieren die Krallen gestutzt und die Schnäbel abgeschnitten. Dafür müssen sie von Menschen in spezielle Maschinen “eingespannt” werden. Die Menschen die zwangsweise um ihre Familien zu ernähren einer solchen Arbeit nachgehen, erleiden häufig massive psychische Probleme. Neben deutlich überdurschnittlichen Anzahl an psychisch erkrankten Personen in großen Massentierhaltungsbetrieben, können die giftigen Dämpfe von Kot und Urin der Tiere auch Lungenleiden verursachen, falls die Arbeiter nicht mit speziellen Atemmasken ausgestattet werden. Auch die Augen werden von diesen Dämpfen gereizt und die Schleimhäute in Nase und Rachen können verätzt werden. Nicht vorzustellen, wenn diese Auswirkungen schon beim Menschen vorkommen, wie dann die Hühner, die mit ihren Gesichtern viel dichter am Boden sind, unter diesen Bedingungen leiden. Auch die Läufe der Tiere sind oft stark entzündet, wenn sie den ganzen Tag in ihrem eigenen Mist stehen. Doch auch Kühe oder Schweine kämpfen unter ähnlichen Bedingungen. Damit eine Kuh Milch geben kann, muss sie erst einmal ein Kalb zur Welt bringen. Natürlich wird auch bei der Befruchtung nichts dem Zufall überlassen und der Samen wird mit Gewalt von Menschenhand in die Kuh gedrückt. Wenn das Kälbchen dann geboren ist, wird es von der Mutter getrennt, die das Kalb noch lange danach sucht. Dazu muss man wissen, das Kühe sehr soziale Wesen sind und ihre Kinder intensiv umsorgen und beschützen. In einer natürlichen Herde besteht eine intensive Mutter-Kind-Bindung sogar ein Leben lang. Wenn das von der Mutter getrennte Kalb aus der Massentierhaltung Glück hat, ist es männlich und hat nur ein kurzes Leben. Viele Menschen essen gerne Kalbsfleisch. Ein  weibliches Tier hat nicht so viel Glück, denn ihm stehen 5 Jahre Leid in der Milchproduktion bevor. Kühe werden normalerweise über 20 Jahre alt, aber die Nahrungsmittelindustrie laugt die Tiere so aus, dass sie nach ca. 5 Jahren an Erschöpfung sterben. Sie wurden gezüchtet besonders viel Milch zu produzieren und geben teilweise 40 Liter Milch pro Tag. Dies bedeutet für die Kuh, dass die Euter häufig stark entzündet sind und in der Milch, die eine Kuh gibt auch Blut und Eiter zu finden ist. Es gibt hier zwei Grenzwerte. Übersteigt die Menge an Blut und Eiter den ersten Grenzwert, so muss die Milch günstiger verkauft werden, erst bei erreichen des zweiten Wertes, wird sie aus dem Regal genommen. Einige Tiere können sich gar nicht bewegen, diejenigen die im Laufstall sind, bewegen sich aber meist auch nur wenig, da der Boden durch Kot und Urin rutschig ist (natürlicherweise legen sie täglich mehrere Kilometer zurück). Automatische Mistschieber, die manche Ställe reinigen, führen immer wieder zu starken Verletzungen, da vor allem unerfahrene Tiere dem Gerät nicht rechtzeitig ausweichen können. Die Tiere verletzen sich auch oft an den Trenngittern, die im Laufstall sind. Doch auch Anbindeställe gibt es noch. Hier wird der Kopf des Tieres fixiert, sodass die Kuh sich nicht bewegen kann. Wenn die Tränke oder der Futtertrog hierbei zusätzlich falsch angebracht ist, entwickelt sich eine falsche Haltung, die schmerzhaft sein kann. Ähnlich wie bei den Hühnern, entzündet sich auch bei Kühen die Hufe. Liegen die Tiere schließlich in ihrem eigenen Exkrementen, verschlimmern die Bakterien darin die Euterentzündungen oder rufen noch nicht vorhandene hervor.

Bei Schweinen gibt es teilweise dank Ausnahmegenehmigungen selbst in Deutschland immer noch die Prozedur des Kupierens. Hierbei werden Ferkeln (oft ohne Betäubung) mit einer Art Zange die Ringelschwänzchen abgeschnitten. Dadurch erhofft man sich, dass die Wahrscheinlichkeit reduziert wird, dass die Tiere sich in den engen Gehegen gegenseitig auffressen, da Schweine Allesfresser sind. Hätten die Tiere artgerechtere größere Gehege, in denen sie sich beschäftigen könnten, würden sie nicht einen solchen Zwang entwickeln sich gegenseitig zu beißen. Auch die Kastration ist bis heute ohne Betäubung möglich. In der Schweinezucht sind die hygenischen Bedingungen teilweise noch schlechter, als bei Hühnern oder Kühen. Für die Zucht wird PMSG eingesetzt. Ein Hormon, dass von trächtigen Stuten ausgeschüttet wird. Brutal schlägt man hierfür die Tiere blutig oder schneidet ihnen ohne Betäubung die Fruchtblase auf, sodass möglichst viel Blut gewonnen werden kann. Hierbei sterben nicht nur die Fohlen, sondern es ist emotional und körperlich unglaublich qualvoll. Das Hormon wird anschließend in der Schweinezucht eingesetzt, um die Fruchtbarkeit zu steigern (eine Sau muss ca. 30 Ferkel im Jahr bekommen, damit sie “wirtschaftlich rentabel” ist) und zu kontrollieren, dass alle Säue gleichzeitig ihre Ferkel bekommen. Die geschlachteten Tiere landen anschließend aber nicht nur bei uns auf dem Teller, sondern sind auch gerade in der Kosmetikbranche (Seife, Schönheitscrems) gefragt oder in der Medizin (Kapseln für Tabletten) und sogar für Druckerpatronen.

Uns muss bewusst sein, dass jede einzelne Entscheidung für ein solches Produkt, eine Entscheidung für das weitere Bestehen dieser Zustände ist.